Blackberry freut sich über Zuwachs: Anwendungen aus Amazons Appstore werten das Angebot des Blackberry Market auf. Davon profitieren dürfte aber vor allem Amazon.
Blackberry Werbung: Nach dem nächsten Update kann das Ding wirklich mehr. Alle Bilder: Blackberry
Es ist sehr ruhig geworden um Blackberry, zu ruhig. Seit nunmehr einem Jahr hat der strauchelnde Smartphone-Pionier kein neues Telefon mehr vorgestellt, das erste BB10-Smartphone Z10 wird bei Amazon derzeit schon für unter 200 Euro verramscht, der größte Auftragsfertiger hatte im vergangenen Herbst angekündigt, keine Geräte mehr herstellen zu wollen, US-Provider T-Mobile wollte keine Blackberrys mehr in seinen Shops verkaufen.
Als wäre das alles nicht genug, sagte der aktuelle Konzernchef John Chen im April, er könne sich auch vorstellen, gar keine Smartphones mehr herzustellen und nur noch auf Software und Services zu setzen. Und wie das Unternehmen selbst in einer aktuellen Meldung verkündet, stellt es seinen Marktplatz für Videos und Musik auf dem Betriebssystem Blackberry 10 (BB10) mangels Nachfrage ein. Von den schrumpfenden Absatzzahlen reden wir erst gar nicht. Kann es noch schlimmer kommen? Nein, eigentlich nur besser: Denn Blackberry hat sich in einer Kooperation den Zugang zu Amazons Appstore gesichert. Doch retten dürfte das die Kanadier alleine nicht.
Blackberry Smartphones mit BB10 | |||
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Schlecht klingt das natürlich nicht: Nutzer eines Smartphones mit dem aktuellen Betriebssystem Blackberry 10 erhalten einen nativen Zugang zu Amazons App-Welt. Darunter verstecken sich Android-Apps, die für gewöhnlich auf Amazons Hardware laufen, aber auch auf anderen Android-Geräten verfügbar wären. Blackberry-Nutzer bekommen damit direkten Zugang zu Android-Apps und Amazons Angeboten. Lauffähig waren Android-Apps auch schon bisher auf BB10-Geräten, allerdings mussten diese noch etwas mühsam von Hand über den Umweg eines PCs (Sideload) auf das Gerät gespielt werden.
Über 200.000 Android-Apps ohne Sideload für Blackberrys
Blackberry-Nutzer erhalten nun also Ersatz für die wegfallenden Musik- und Videomarktplätze. Dank Amazon werden sie Zugang zu E-Books und Games erhalten, und es kommen Android-Apps wie Camera, Candy Crush Saga, Quizduell, Öffi, Zattoo oder auch ARD und ZDF Mediathek auf Blackberrys. Über 200.000 Apps sollen nun via Amazons App Shop ab Herbst einen Blackberry bereichern. Verzichten müssen die Nutzer nur auf native Google Apps wie Maps und GMail. Vielleicht wird es einige Darstellungs- und Anwendungsprobleme geben. Ansonsten aber eine gute Nachricht und eine enorme Aufwertung für bisherige Blackberry-Nutzer.
Die wichtigste Frage aber bleibt: Kann das Menschen von anderen Systemen weg und hin zu Blackberry locken? Das noch bessere Nutzererlebnis dürften Android-Apps natürlich immer noch auf Android-Geräten bieten. BB10 bietet zwar einige Extras, aber gegenüber Android ist das Erlebnis unseren Tests nach auch mit einer größeren App-Auswahl noch immer nicht auf dem gleichen Niveau. Zumindest haben sich die Chancen für Blackberry damit nicht weiter verschlechtert. Kluger Schachzug also – auch für Amazon. Der Anbieter ist bestrebt, seine Services unter immer mehr Menschen zu bringen. Das gelingt dem Shopping-Riesen zum einen mit eigener Hardware wie den Fire Tablets oder jetzt dem Fire Phone. Oder eben, wie hier, mit Fremdhardware, die man nicht subventionieren muss. Risiko? Gleich null. Also warum nicht!
Gefunden bei Mobiflip und Inside Blackberry
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